Vorstand intern

Ursprünge der Bruderschaft

Die Anfänge des Schützenwesens in deutschen Landen verlieren sich zum Leidwesen vieler Bruderschaften/ Schützengesellschaften/ Vereine und Historiker im Dunkel der Geschichte. Kriege, Brände und die Sorge, archivierte Mitgliedslisten könnten Grundlage für eine Rekrutierung sein, sind sicher Gründe, die zur Vernichtung vorhandener Unterlagen führten.
Vielfach ist das Fehlen von Dokumenten in ländlichen Bereichen auch auf kaum vorhandene administrative Strukturen oder eben auch ganz einfach auf Unaufmerksamkeit zurück zu führen. Mythen, Phantasien, ja überlieferte Interpretationen und Einbildungen ranken sich in einer Vielzahl um die Urquellen von Bruderschaften, ihrer Sitten und Gebräuche.
Geschichtlich gesichert sind Recherchen, nach denen sich Schützengilden eindeutig als Schutzgemeinschaften formiert haben. Wehrtüchtigkeit, polizeiliche Aufgaben aber auch z. B. die Brandbekämpfung oder - sicher durch die Nähe und Verbundenheit zur katholischen Kirche gegeben - karitative Abwicklungen werden ihnen zugeschrieben.
Eine Renaissance erlebte vor diesem Hintergrund das Schützenwesen in der zweiten Hälfte des 16. und dann nach den Wirren des 30jährigen Krieges im 17. Jahrhundert. Die Kriegsfurie brach nach langer Friedensruhe über das Land herein. Die Notwendigkeit des sich „Wehrenmüssens” wuchs mit einem Schlage. Der niederländische Freiheitskrieg (1568 - 1648) führte die kriegsführenden Niederländer und Spanier bei ihren weiten Furagierungs- und Raubzügen auch in unsere Gefilde. Das Fehlen stehender Milizen und die Vernachlässigung der Wehrtüchtigkeit der Landbevölkerung rächten sich furchtbar. Nirgendwo in ländlichen Bereichen konnte den marodierenden Heerhaufen ernsthafter Widerstand geboten werden, einhergehend der 30jährige Krieg (1618 – 1648)! In diese Zeit also gehen die Ursprünge unserer Bruderschaft zurück.



Greifen wir auf die Formulierungen von Jörg Patzer in unserer Festschrift zum 325jährigen Jubiläum im Jahre 1978 zurück, so erfahren wir, dass noch im Jahre 1912 der Ursprung der Bruderschaft auf das Jahr 1662 festgelegt war. Ein aus
Silber getriebener Vogel trägt in seinem Schnabel einen wappenförmigen Anhänger, auf dem die Jahreszahl 1662 eingraviert ist. Es wurde also im Jahre 1912 mit vielen Gästen das 250jährige Jubiläum der Bruderschaft gefeiert.
Kurz nach diesem Jubiläum brannten Gastwirtschaft und mechanische Schreinerei Löcke (heute Rademacher) nieder.
Bei den Aufräumarbeiten fanden sich Reste von Büchern und Akten, die das Jahr 1653 als Gründungsjahr der Bruderschaft
nannten. Diese durch den Fund der Fragmente entstandene neue Situation wurde bei den dann folgenden Jubiläen selbstverständlich berücksichtigt. So sind es oft seltsame Begebenheiten oder einfach nur Zufälle, die über Jahrhunderte festgeschriebene Dinge in einem neuen Licht erscheinen lassen.



Schützenvogel Der aus Silber getriebene Schützenvogel trägt ein Wappen mit der jahreszahl 1662 im Schnabel

Offizielle Urkunden oder Niederschriften über die Gründung unserer Bruderschaft sind nicht in unserem Besitz. Wir können aber davon ausgehen, dass - wenn nach dem Brand der genannten Schreinerei Buch- und Aktenreste aus dem Jahre 1653 gefunden wurden - die Bruderschaft / Schutzgemeinschaft / Gilde oder was auch immer bereits existiert hat. Vor dem Hintergrund, dass eine Ursiedlung bereits vor dem Jahre 793 bestand ist das auch absolut nachvollziehbar.

Wiljo Giese hat die Aufzeichnungen des Neheimer Rektors Bernhard Bahnschulte, der sich Zeit seines Lebens mit der Geschichte der Heimat befasst und sein fundiertes Wissen niedergeschrieben hat, eingesehen und in seiner umfangreichen Auf- und Ausarbeitung für unsere Festschrift zum 325jährigen Jubiläum wie folgt festgelegt:

Lange bevor Höingen im Jahre 793 urkundlich erwähnt wird, bestand bereits eine Ursiedlung. Der Missionar St. Ludger, der Gründer des Klosters Werden bei Essen, kam in die Siedlung, die heute Höingen heißt. Er nahm Schenkungen entgegen für das Kloster. Eine Abschrift dieses „Liber priveligorum major“ der Abtei Werden aus dem Jahre 793 ist überliefert. Darin erfahren wir über Höingen:

1. Thiadolphus in Hoangi schenkt dem Abt Luidger ein Land, dessen Ertrag sechzehn Denare wert ist.
2. Eileco bewirtschaftet den Haupthof; er muss außer der Heerbannsabgabe noch 2 Denare für Wein abliefern.
3. Linzekin, ein Bauer von Höingen hat an Heerbannsabgabe 3 Solidi und 4 Denare zu entrichten
(nach damaligem Wert etwa so viel wieein fettes Schwein), ferner muss er Wein in Höhe von 2 Denaren abliefern.

Soweit die Formulierungen von Wiljo Giese.

Zur weiteren Erläuterung:
Die im Jahre 793 aufgeführten Positionen sind die Schenkungen über einen Zeitraum von etwa 2 Jahrhunderten hinweg. Wenn Land und/oder Hof geschenkt wurden, konnte das nur aus über lange Zeiträume hinweg gewachsenen Strukturen geschehen.
Wird darüber hinaus die festgeschriebene Weinration aus eigenem Anbau bestritten, unterstreicht das die These, dass die Ursiedlung „Höingen“ bereits deutlich vor dem Jahre 793 bestand.



Unsere Bruderschaft im vergangenen Jahrhundert

Die Ursprünge sind dargestellt - betrachten wir nun die jüngere Vergangenheit und beginnen wir mit dem Übergang
vom 19. ins 20. Jahrhundert.

Aus der Zusammenfassung der Ursprünge unserer Bruderschaft können wir ablesen, warum 1912 das 250. und dann schon im Jahre 1928 das 275. Jubiläum im Abstand von nur 16 Jahren gefeiert wurden. Hauptmann und damit verantwortlicher Chef der Bruderschaft waren zunächst Heinrich Backs, zum Jubelfest 1912 Wilhelm Pieper und zum Jubiläum im Jahre 1928 Anton Schulte Albert gen. Olves. In die Zeit um 1912 fällt der Erwerb des ersten eigenen Schützenplatzes. Eine erste Steuer für dieses Grundstück wurde vom damaligen Amt Bremen mit 14 Mark festgelegt.

Für das 250-jährige Jubiläum und die danach folgenden Schützenfeste war also ein neuer, bis heute bestehender
Standort festgelegt.



Steuerbescheid von 1914

Der 2. Weltkrieg bereitete auch dem Höinger Schützenwesen von 1939 bis 1948 ein vorläufiges Ende. Dem besonderen Einsatz des damaligen Hauptmannes Theodor Walter-Langesberg ist es mitzuverdanken, dass allen Schwierigkeiten und Problemen zum Trotz schon 3 Jahre nach dem Krieg wieder ein Schützenfest gefeiert wurde. Der Schützenbruder Leo Pantel übernahm 1948, stellvertretend für seinen im Krieg gefallenen Bruder Heinrich, die Königswürde. Königin war seine Frau Rosa. In diesem sowie im darauf folgenden Jahr wurde den von den Alliierten festgelegten Vorgaben folgend (der Gebrauch von Munition war den Deutschen noch verboten) die Königswürde durch Schiessen mit der Armbrust ermittelt.

Erstes Königspaar nach dem Kriege waren Josef und Lucia Schönhense. Im Festzug wurden König und Königin durch das Dorf geleitet, um dann auf dem Schützenplatz ein – mit weitgehend „Eigengebranntem“ und sicher bescheidenen Möglichkeiten – harmonisches Schützenfest zu feiern. In dieser Zeit mancher Entbehrungen sicher für alle Beteiligten ein willkommener Anlass, sich für einige Stunden der Alltagssorgen zu entledigen und ganz einfach im Gespräch fröhlich zu sein.

Unter Leitung des Vorstandskreises um Brudermeister Fritz Kersting wurde die bestehende, nach allen Seiten offene Tanzhalle abgebrochen und in nur eineinhalb Monaten eine neue, erste Schützenhalle bis hin zum Richtkranz fertig gestellt. Ein gewaltiger Kraftakt der Dorfgemeinschaft, auf den man zu Recht stolz sein durfte. Die inzwischen zu vielen Anlässen genutzte Halle bestand dann zum 300-jährigen Jubiläum der Bruderschaft im Jahre 1953 die erste große Bewährungsprobe.



Gemeinsamkeit und Zusammenstehen der Dorfgemeinschaft zeigten sich auch beim Kirchenneubau. Nachdem im Herbst 1955 die Höinger Vereine den Beschluss zum Neubau gefasst hatten, folgten zunächst Haussammlungen um die nötige wirtschaftliche Basis zu schaffen, dann wurden „die Ärmel aufgekrempelt“ und fertig war im Jahre 1958 unsere neue St. Josef – Kapelle. Dass auch diese Aktion weitaus schwieriger und arbeitsintensiver war als hier – vielleicht ein wenig simpel – dargestellt, liegt auf der Hand. Die heilige Messe wurde übrigens während der Bauphase in der Schützenhalle gelesen.



Höinger Kapelle

Die Vogelstange wurde in der Winne aufgestellt. Der alte Standort befand sich an der Bundesstraße - 1964 wurde die „Trinkhalle“ erneuert - die den Festplatz abgrenzende alte Hecke musste ausgegraben und durch Jägerzaun und Mauer ersetzt werden. An und in der Halle gab und gibt es eigentlich immer etwas zu tun.



... und heute?

Auch jetzt wird noch ständig an der Schützenhalle gewerkelt, repariert und verbessert, damit in jedem Jahr im Juli wieder alle Höinger und Gäste gerne beim Höhepunkt des Schützenjahres, dem Schützenfest, ihre Halle besuchen.



2012

Die Höinger St.-Josefsschützen stellen mit Christian und Silke Kersting auch in diesem Jahr wieder das Regentenpaar im Schützenbezirk Werl-Ense.
Mit dem 134. Schuss sicherte sich Christian Kersting am Samstag auf dem Bezirksschützenfest in Oberense die Königswürde und trat die Nachfolge von Sascha von Borzikowski an, der ebenfalls den Höinger Josefsschützen angehört.

Bevor Christian Kersting den entscheidenen Treffer setzte, hatten nach den obligatorischen Ehrenschüssen 14 amtierende Könige aus dem Schützenbezirk in alphabetischer Reihenfolge fulminant losgelegt. Dem Apfel ließ mit dem 24. Schuss Stefan Schmitz aus Sönnern keine Chance und mit dem 37. Schuss holte Mario Schinner aus Sieveringen das Zepter aus dem Kugelfang.

Nach dem finalen Schuss durch Christian Kersting war die Reihe der von Bezirks-Bundesmeister Alfons Wortmann angeführten Gratulanten groß. Aus dem Häuschen war förmlich die Abordnung der Höinger St.- Josefsschützen, die obendrein auch noch mit einem Ständchen musikalisch vom Musikverein Höingen unterstützt wurde.

Am Sonntag, 18.09.2011, sind wir dann zum Bundesschützenfest der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Harsewinkel gewesen! Ein einmaliges Erlebnis!



2014: Der Generationswechsel ist vollzogen!

Im Vorstandskreis war schon lange bekannt, was auch im restlichen Dorf langsam aber sicher die Runde machte: Im Vorstand der St. Josef-Schützen gibt es einen großen Umbruch!

Mit Brudermeister Horst Taprogge, seinem Stellvertreter Manfred Lohmann und Kassierer Heinz Hartmann verabschiedeten sich gleich drei Mitglieder der "Führungsriege" in den wohlverdiensten Schützenruhestand. Natürlich hatte es im Vorstand seit längerem Überlegungen gegeben, wie man diese riesige Lücke füllen könne, um die Vorstandsarbeit nahtlos weiterführen zu können.
Und so wurde auf der Generalversammlung am 15.02.2014 mit den Stimmen von 137 der 140 im Spiegelsaal der Schützenhalle anwesenden Schützenbrüder bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen Thomas Klebsattel zum neuen Brudermeister gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Horst Taprogge an, der in den vergangenen zwölf Jahren der „erste Mann“ unserer Bruderschaft war.
Doch damit nicht genug: Neuer stellvertretender Brudermeister und damit Nachfolger von Manfred Lohmann ist jetzt Stefan Junker, der bisher das Amt des Fähnrichs ausübte. Als zukünftiger Kassierer tritt Michael Tölle in die Fußstapfen von Heinz Hartmann. Das dadurch frei gewordende Amt des Schriftführers übt nun Markus Rennemeier aus. Adjutant und Mitglied des Bruderschaftsrates ist Bodo Schulte. Neuer Platzkommandant und Hallenwart und damit Nachfolger von Peter Selinski wurde Peter Taprogge.

Vor der Weitergabe seines Amtes an Thomas Klebsattel ließ Horst Taprogge seine 25-jährige Vorstandsarbeit und die damit verbundene zwölfjährige Amtszeit als Brudermeister sichtlich bewegt Revue passieren, was die anwesenden Schützen stehend und mit lang anhaltendem Beifall quittierten. Seinen Dank für eine immer vertrauensvolle Zusammenarbeit richtete Horst Taprogge dabei an alle Schützenbrüder, an seine Vorstandskollegen, an die Höinger Ortsvereine, besonders aber auch an seinen Stellvertreter, Manfred Lohmann, an den bisherigen Kassierer Heinz Hartmann und an den bisherigen Schriftführer, Michael Tölle.

Und weil die St.-Josef-Schützen dank der hervorragenden Arbeit der ausscheidenden Führungskräfte auf allen Ebenen bestens aufgestellt seien und die Fußstapfen, in die er jetzt trete, kaum größer sein könnten, schlug der neue erste Brudermeister Thomas Klebsattel den Schützenbrüdern vor, Horst Taprogge und Manfred Lohmann zu ihren Ehrenmitgliedern zu ernennen, was einstimmig angenommen wurde.



Das "alte" Führungstrio Michael Tölle, Horst Taprogge, Manni Lohmann